Manchmal braucht eine gute Geschichte keine große Idee. Sondern nur die richtige Frage.
„Ich weiß nicht, was ich schreiben soll." Diesen Satz kennst du bestimmt. Dabei fehlt dir gar nicht die Fantasie – in deinem Kopf stecken wahrscheinlich die verrücktesten Figuren, Orte und Abenteuer. Das Schwierige ist nur, irgendwo anzufangen. Hier sind drei Funken, die deine Geschichte anzünden.
Tipp einen Funken an – dann klappt der Schreibtipp auf.
Zwei ziemlich unscheinbare Wörter – aber für Geschichten sind sie Gold wert.
- Was wäre, wenn du morgens aufwachst und plötzlich mit Tieren sprechen könntest?
- Was wäre, wenn sich hinter deinem Spiegel eine zweite Welt befindet?
- Was wäre, wenn der neue Schüler in deiner Klasse in Wirklichkeit ein Zeitreisender wäre?
- Was wäre, wenn du auf dem Heimweg einen winzigen Drachen findest, der unbedingt mit zu dir möchte?
Du musst daraus noch keine ganze Geschichte machen. Erst einmal reicht die Idee. Schreib fünf „Was wäre, wenn …?"-Sätze auf – albern, gruselig, völlig unmöglich. Dann such dir den aus, bei dem du sofort wissen willst, wie es weitergeht. Und schon ist die weiße Seite nicht mehr ganz so weiß.
Eine Figur allein macht noch keine spannende Geschichte. Ein Junge findet einen Zauberstab. Schön. Aber: Ein Junge findet einen Zauberstab – und jedes Mal, wenn er zaubert, passiert genau das Gegenteil von dem, was er wollte. Jetzt wird es interessant!
Wenn deine Geschichte nicht in Gang kommt, hilft eine einfache Frage: Was könnte jetzt schiefgehen?
- Der Schlüssel geht verloren.
- Jemand lügt.
- Die Tür fällt zu.
- Der Drache hat plötzlich Angst vor Feuer.
- Die beste Freundin verschwindet.
- Oder die eigentlich gute Idee entpuppt sich als ziemlich schlechte.
Ein Problem zwingt deine Figur, etwas zu tun. Und genau daraus entsteht die Handlung.
- Was möchte meine Figur unbedingt?
- Was steht ihr dabei im Weg?
- Was tut sie jetzt?
Wer diese drei Antworten kennt, hat oft schon das Gerüst für eine ganze Geschichte.
Mach für einen Moment die Augen zu und stell dir vor, deine Geschichte wäre ein Film. Was siehst du? Was hörst du? Ist es hell oder dunkel? Warm oder kalt? Laut oder ganz still?
Vielleicht steht dort nicht einfach: Lina ging in den Wald. Sondern plötzlich sieht man viel mehr:
„Unter Linas Schuhen knackten die trockenen Äste. Zwischen den Bäumen hing dichter Nebel. Irgendwo vor ihr raschelte etwas."
Du brauchst dafür keine schwierigen Wörter. Gute Geschichten entstehen nicht durch komplizierte Wörter – sondern dadurch, dass im Kopf Bilder auftauchen.
Such dir für eine wichtige Szene drei Dinge aus:
- Was sieht deine Figur?
- Was hört sie?
- Was fühlt, riecht oder spürt sie?
Schon wenige Details machen aus einem einfachen Satz eine richtige Szene.
Etwas, das sogar Erwachsene beim Schreiben gerne vergessen: Du musst eine Geschichte nicht von vorne nach hinten schreiben.
- Du hast schon die große Kampfszene im Kopf? Schreib sie zuerst.
- Du weißt genau, wie deine Geschichte endet? Schreib das Ende auf.
- Du hast nur eine coole Figur, aber noch keine Idee? Dann beschreibe erst einmal die Figur.
Geschichten dürfen wachsen. Ein kleiner Impuls, eine Frage, vielleicht ein Hinweis, wenn du feststeckst – aber die Figuren, die verrückten Einfälle und am Ende die Geschichte selbst gehören dir. Genau dafür ist Erzählfunke da.
Der wichtigste Tipp von allen
Die erste Version muss nicht gut sein. Sie darf komisch sein, Lücken haben, und ein Name darf sich noch ändern. Manchmal merkt man nach zwei Seiten, dass der geheimnisvolle Zauberer eigentlich viel besser ein sprechendes Huhn geworden wäre.
Das ist kein Fehler. Das ist Schreiben.
Also: Nicht zu lange überlegen. Fang irgendwo an. Was wäre, wenn …?
Viel Freude beim Schreiben,
Dinah
