Funkenraum · Hinter den Kulissen
Hinter den Kulissen

Warum die KI bei Erzählfunke die Geschichte nicht schreibt

20. August 2026 · 6 Min. Lesezeit · von Dinah
Junge mit leuchtendem Tablet, aus dem eine magische Geschichtenwelt aufsteigt
Der Funke hilft – die Geschichte gehört dem Kind

KI kann heute in wenigen Sekunden ganze Geschichten schreiben. Bei Erzählfunke soll sie genau das nicht tun. Denn am Ende soll ein Kind sein Buch anschauen und sagen können: „Das habe ich geschrieben."

Wenn man heute eine KI bittet: „Schreib mir eine spannende Geschichte über ein Mädchen, das einen goldenen Funken findet." … dann bekommt man ziemlich schnell eine Geschichte. Wahrscheinlich sogar eine ganz gute. Mit einer Hauptfigur. Einem Abenteuer. Vielleicht einem geheimnisvollen Ort, einer überraschenden Wendung und einem schönen Ende.

Nur gibt es dabei ein Problem:

Das Kind hat diese Geschichte nicht geschrieben.

Und genau an diesem Punkt beginnt für mich die Idee hinter Erzählfunke.

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KI kann schreiben. Aber sollte sie es auch?

Ich finde KI unglaublich spannend. Sie kann Ideen sortieren, Bilder entstehen lassen, Fragen beantworten und manchmal genau den kleinen Anstoß geben, den man braucht, wenn man gerade nicht weiterkommt.

Aber gerade beim kreativen Schreiben mit Kindern möchte ich nicht, dass sie ihnen das Denken abnimmt. Denn Geschichten entstehen nicht nur durch schöne Sätze. Sie entstehen durch diese kleinen Momente:

  • Was wäre, wenn hinter der Tür plötzlich eine andere Welt wäre?
  • Warum hat der Drache eigentlich Angst vor Feuer?
  • Was passiert, wenn die beste Freundin plötzlich verschwindet?
  • Und was wäre, wenn der Bösewicht vielleicht gar nicht böse ist?
Kind stellt sich vor, was hinter der Tür sein könnte – Tiere, Spiegelwelten, Drachen
Aus einer einzigen Frage entsteht eine ganze Welt.

Genau dieses Nachdenken, Herumspinnen und Ausprobieren ist für mich das Spannende am Geschichtenschreiben. Und manchmal gehört eben auch dazu, vor einem Satz zu sitzen und zu denken:

Mist. Wie geht es jetzt weiter?

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Die KI soll nicht Autor sein. Sondern Funkengeber.

Deshalb gibt es bei Erzählfunke einen Grundsatz:

Das Kind ist der Autor.

Die KI darf helfen. Sie darf Fragen stellen. Sie darf einen kleinen Schubs geben. Sie darf auf etwas aufmerksam machen. Aber sie soll dem Kind die Geschichte nicht aus der Hand nehmen.

Der Unterschied ist eigentlich ganz einfach. Eine KI könnte sagen:

„Mia öffnete die geheimnisvolle Tür und dahinter lag ein verwunschener Wald."

Damit wäre die Entscheidung getroffen. Bei Erzählfunke wäre die Hilfe eher:

„Was glaubst du: Was könnte sich hinter der Tür befinden? Vielleicht etwas Schönes, etwas Gefährliches – oder etwas, womit deine Figur überhaupt nicht gerechnet hat?"

Der Funke in der App stellt eine Frage als Impuls, statt die Geschichte zu schreiben
So sieht ein Funke in der App aus – ein Impuls, kein fertiger Text.

Und plötzlich muss das Kind selbst entscheiden. Vielleicht ist dort ein Wald. Vielleicht ein Raumschiff. Vielleicht das Kinderzimmer hundert Jahre in der Zukunft. Oder vielleicht einfach Oma – die ziemlich sauer ist, weil jemand ihre Tür mitten in der Nacht geöffnet hat.

Genau da entsteht Kreativität.

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„Ich weiß nicht, wie es weitergeht."

Diesen Satz kennen wahrscheinlich ziemlich viele Eltern. Kinder haben oft fantastische Ideen. Sie erfinden Figuren, Welten und Abenteuer und erzählen einem beim Abendessen Geschichten, bei denen man kaum hinterherkommt.

Aber sobald eine leere Seite vor ihnen liegt, passiert manchmal: nichts. Der Anfang fehlt. Oder nach einer halben Seite steckt die Geschichte fest.

Und genau dort finde ich KI spannend. Nicht: „Hier ist deine Geschichte." Sondern: „Hier ist ein kleiner Funke. Was machst du daraus?"

Vielleicht braucht ein Kind eine Frage. Vielleicht drei Möglichkeiten, in welche Richtung es weiterdenken könnte. Vielleicht den Hinweis, dass eine Figur plötzlich etwas tut, das überhaupt nicht zu ihr passt. Oder einfach die Erinnerung: Du hast vor zwei Kapiteln einen geheimnisvollen Schlüssel erwähnt. Was ist eigentlich daraus geworden?

Die Entscheidung bleibt trotzdem beim Kind.

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Auch Fehler gehören zur eigenen Geschichte

Mir ist noch etwas wichtig. Eine Geschichte von einem Kind muss nicht klingen wie die Geschichte eines Erwachsenen. Sie darf verrückt sein. Sie darf Umwege machen. Figuren dürfen seltsame Namen haben.

Ein zwölfjähriger Geheimagent darf einen sprechenden Hamster als Partner haben, während er gleichzeitig versucht, die Welt vor einem gigantischen Puddingmonster zu retten. Warum nicht?

Vielleicht würde eine KI daraus eine logischere Geschichte machen. Aber wäre sie dadurch wirklich besser?

Kinder entwickeln beim Schreiben ihren eigenen Stil. Sie probieren Sprache aus. Sie merken, dass eine Idee nicht funktioniert, ändern sie wieder und entdecken dabei vielleicht eine viel bessere. Wenn wir jeden ungewöhnlichen Gedanken sofort von einer KI „optimieren" lassen, geht davon etwas verloren.

Deshalb soll Erzählfunke unterstützen, ohne aus einer Kindergeschichte eine KI-Geschichte zu machen.

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Und was darf die KI dann?

Eine ganze Menge. Sie kann beim Entwickeln einer Idee helfen. Sie kann Fragen zu Figuren stellen. Sie kann dabei unterstützen, eine Geschichte spannender aufzubauen. Sie kann Hinweise geben, wenn etwas in der Handlung nicht zusammenpasst. Sie kann helfen, wenn ein Kind feststeckt. Und natürlich kann sie dabei helfen, die Welt, die im Kopf des Kindes entstanden ist, sichtbar zu machen – zum Beispiel durch Illustrationen.

Aber die wichtigste Frage lautet dabei immer: Wer entscheidet, was in der Geschichte passiert? Und meine Antwort darauf ist ganz klar:

Das Kind.

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Am Ende soll da MEIN Buch liegen

Vielleicht ist das sogar der wichtigste Gedanke hinter Erzählfunke. Wenn ein Kind irgendwann sein fertiges Buch vor sich sieht – mit Titel, Kapiteln, Figuren und Bildern – möchte ich nicht, dass es denkt: „Guck mal, was die KI gemacht hat."

„Guck mal. Das ist meine Geschichte."

Die KI darf dabei im Hintergrund geholfen haben. Sie darf Ideen angestoßen, Fragen gestellt und Bilder möglich gemacht haben. Aber die Figur? Die Idee? Das verrückte Abenteuer? Die Entscheidung, ob hinter der geheimnisvollen Tür ein Drache, ein Raumschiff oder eine schlecht gelaunte Oma wartet? Die gehört dem Kind.

Denn KI kann ziemlich beeindruckende Geschichten schreiben. Aber Kinder können etwas viel Spannenderes: Sie können ihre eigenen erfinden.

Und manchmal braucht es dafür nur einen kleinen Funken. ✦